Herbstzeitlose

ColchicumKBColchicum autumnale Linn.

Familie: Colchicaceae

Synonyme: Colchicum crociflorum Anders., Zeitlose, Lichtblume, Herbstblume, Herbstlilie, Wiesensafran, Michelwurz, Winterhauch, Nackte Jungfer,

Vorkommen: In ganz Europa heimisch. Feuchte Wiesen.

Blütezeit: Februar

Verbreitungsgebiet: Mittleres bis südliches Europa, seltener im Norden bis Irland, England, Südschweden (im Gebirge bis zu 2000 m Höhe). Im Osten bis zur mittleren Sowjetunion. In Norddeutschland bis zur Linie Stendal, Rathenow, Frankfurt (Oder), Wunstorf.

Standort: Wildwachsend auf feuchten Wiesen und Weiden, in Flußauen von der Ebene bis ins Gebirge.

Colchicum autumnaleKBSammelgut: Die reifen, sehr kleinen, kugeligen, anfangs klebrigen, tiefdunkelbrau­nen bis schwarzen Samen. Gelegentlich auch die ganzen, erst grünen, später braunen, dünnhäutigen, dreifächerigen Samenkapseln.

Achtung Verwechslungsgefahr! Im Frühjahr können die Blätter mit denen des Bärlauches verwechselt werden. Die Pflanze gilt in allen Teilen als giftig bis sehr giftig!! Am schwächsten giftig sind die Blätter.

Sammelzeit: Samen und Kapselfrüchte im Juni und Juli.

Handelsform: Herbstzeitlosensamen, Semen Colchici, Herbstzeitlosenkapselfrüchte, Bulbus Colchici.

Anbau: Eine vegetative Vermeh­rung aus Tochterknollen wie bei Tulpen und Lilien ist bei der Herbstzeitlose nicht möglich.

Colchicum autumnale_gGiftigkeit: Die Herbstzeitlose ist in allen Teilen sehr giftig. Das in allen Pflanzen­teilen in unterschiedlicher Menge enthaltene Alkaloid Colchicin ist ein stark wirkendes Pflanzengift, das beim Trocknen nicht zerstört wird, sondern im Heu nur wenig von seiner Giftigkeit verliert. Es wird vom Weidevieh aufge­nommen und geht in die Milch über, wodurch beim Menschen schon ver­schiedentlich Vergiftungen aufgetreten sein sollen. Das aufgenommene Gift reichert sich im Körper an (wird nicht ausgeschieden).

Vergiftungserscheinungen: Mehrere (2-6) Stunden nach Aufnahme des Giftes treten auf: Kratzen und Brennen in Mund und Schlund, Durst­gefühl, Schlingbeschwerden, vor allem Übelkeit, häufiges und heftiges Erbrechen. Erst 12—24 Stunden nach der Giftaufnahme treten typische choleraähnliche Erscheinun­gen ein: unter quälenden Koliken und Tenesmen sowie zunehmendem Meteorismus sich an Heftigkeit steigernde profuse, schleimige bis reiswasserähnliche, auch blutige Durchfälle.

Colchicum autumnale altBesonders giftig sind die Samen. Im Falle einer Vergiftung muß ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.

Homöopathie: (D3-D4) vor allem bei Gicht, Rheuma, Polyarthritis, Pericarditis, Pleuritis, Koliken, Tenesmen, Gastroenteritis und Cholera nostras, ferner bei renalem bzw. hepato-genem Hydrops angewendet.

Volksmedizin: Bei Nierenleiden, „Wassersucht”, Gicht und Asthma.

Hinweis: Wegen der Schwierigkeit einer exakten Dosierung ist von einer Selbstverabreichung dringend abzuraten. Bei einer Vergiftung ist, bis zum Eintreffen eines Arztes, auf das Warmhalten des Körpers, den Ersatz des Flüssigkeitsverlustes und die Stützung des Kreislaufes zu achten.

Dioskurides: Das Kolchikon – Einige nennen es Ephemeron, Andere wilde Zwiebel [die Römer Ackerzwiebel] treibt im Spätherbst eine weißliche, der des Safran ähnliche Blüthe, später entwickelt es die Blätter, welche denen der Zwiebel ähnlich, aber fetter sind. Der Stängel ist eine Spanne lang und trägt eine rothbraune Frucht, die Wurzel hat eine schwärzlichgelbe Rinde, abgeschält findet man sie weiß, zart, saftreich und  süss. Die Zwiebel hat in der Mitte einen Spalt, aus dem sie die Blüthe treibt. Sie wächst am meisten in Messenien und Kolchis. Genossen tödtet sie durch Erstickung ähnlich wie die Pilze. Wir haben dieselbe aber beschrieben, damit sie nicht unversehens statt der Küchenzwiebel gegessen werde, denn wunderbar lockt sie die Unerfahrenen durch ihre Süsse an. Gegen den Genuss helfen dieselben Mittel wie gegen den Genuss von Pilzen, ferner das Trinken von Kuhmilch, so dass, wenn diese bei der Hand ist, es keines anderen Mittels bedarf.

Tabernaemontanus: Wider das schmertzlich Hüfftwehe: Nimb Gummi Armoniac 12 Loth, Gummi Serapin deß Gummi OPOPANACUM genannt jedes drey quintlein, deß Gummi BDELLIUMS 3 quintlein, gepülvert Erdscheibenwurtzel, gepülvert Zeitlosen jedes 12 Loth, Vitriol 3 quintlein. Eselskürbsenöle und Wachs so viel genug ist, daß es ein Pflaster werden möge. Das leg über den Schmertzen auff ein Barchen gestrichen.